Wählen für Anfänger

Podium1

Montag, 16.09.2013, von Hannah und Simon.

Vertreter der Parteijugenden von Grünen, CDU, SPD, FDP, Linken und Piraten stellten sich am Montag den Fragen der Oberstufe des Schillergymnasiums zur Bundestagswahl 2013. Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion standen die Themen Demokratie, Soziales, Familie und Bildung. Die kritischen Fragen der Schüler*Innen und das engagierte Auftreten der jungen Debattierenden zeigten vor allem eines: Die „Jugend von heute“ ist sehr wohl politisch!

Politische Podiumsdiskussionen laufen in der Regel folgendermaßen ab: Fünf grau-melierte Männer (manchmal auch noch eine Frau) sitzen auf der Bühne und kanzeln sich gegenseitig mit eingeübten Phrasen ab, das Durchschnittsalter im Raum liegt bei 52.

Die Organisatoren aus dem SoWi-Leistungskurs des Schillergymnasiums verpassten dem angestaubten Format in der Ausgabe zur Bundestagswahl 2013 eine Verjüngungskur und entschieden sich dafür, ausschließlich Parteivertreter*Innen der Jugend einzuladen. Mit dabei war auch Simon Winter (23) vom kaktus Münster, der sich im Eins-zu-Eins-Duell mit Robert Zedlitz von den Julis vor fast 290 Schüler*Innen schlagfertig behauptete.

Während der Diskussion in der „Elefantenrunde“ lag der Schwerpunkt auf den Themen Demokratie, Soziales, Familien und Bildung. Die klugen Fragen aus dem Publikum brachten so manchen Kandidaten ins Schwimmen. Anstatt einer klaren Position zum NSA-Skandal riet Robert Zedlitz (Julis) den Schüler*Innen: „Vertraut niemandem!“ Ebenso wenig auskunftsreich war die Stellungnahme von Michael Kosmider (Junge Union) zum Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Man habe eben das Familienbild „Vater – Mutter – Kind“. Simon konnte die Standpunkte des kaktus jedoch souverän vertreten:

Basisdemokratie stärken!

Im Themenkomplex „Demokratie“ verwies Simon in Anbetracht des NSA-Skandals auf die Notwendigkeit des staatlichen Eingreifens. Es bedürfe eines international verbindlichen Datenschutzabkommens. Dafür müsse sich die Regierung einsetzen. Medienkompetenz und Schulungen zu Schutzmaßnahmen – wie sie u.a. von Maximilian van Heyden (Junge Piraten) und Robert Zedlitz (Julis) ins Feld geführt wurden – reichten nicht aus, da die Erfahrung gezeigt habe, dass die NSA auch verschlüsselten Mailverkehr abgehört hat.

Darüber hinaus war der junggrüne Kandidat der einzige, der die Einführung direkter Partizipationsmöglichkeiten auf europäischer Ebene (Volksentscheid) forderte und damit ein klar pro-europäisches, zukunftsorientiertes Statement abgab, während Michael Kosmider (JU) eher das Verweilen von Kompetenzen auf nationaler Ebene propagierte.

Her mit dem Mindestlohn!

Auf dem Bereich der Sozialpolitik konnten v.a. Fabian Bremer (Jusos), Simon und Benjamin Körner (Linksjugend) die schwarz-gelbe Wohlfühlrhetorik à la „Uns geht es gut!“ glaubwürdig auseinandernehmen. Alle drei sprachen sich für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn aus – Simon erläuterte die Vorteile des GRÜNEN Konzepts: Der Mindestlohn solle im Miteinander in einer Kommission aus Arbeitgeber*Innenverbänden, Gewerkschaften und Wissenschaft festgelegt werden, aber nicht unter 8,50€ liegen. Ersteres bewirke die fachkundige und partizipative Festlegung, letzteres gebiete der „solidarische und soziale Anstand“. Schwarz-gelb hielt hingegen am gescheiterten Konzept branchenspezifischer Mindestlöhne fest.

Gleichstellung – jetzt!

Zur Familienpolitik verwies Simon hartnäckig auf die immer noch mangelnde Gleichstellung Homosexueller im Adoptionsrecht, während Michael Kosmider (JU) das ewiggestrige Familienbild der Union (heterosexuelle Beziehung mit Kind) zur Norm erklärte. Darüber hinaus fanden sich sowohl im Publikum als auch unter den Diskutant*innen wenig Befürworter*innen für das Betreuungsgeld. Auch hier befand sich der JUler auf verlorenem Posten – von Volkspartei war keine Spur mehr!

Darüber hinaus forderte Simon die Abschaffung des Ehegattensplittings. Er bezeichnete es als „extrem unpräzises Instrument der Familienförderung“, da es auch kinderlose Ehepaare grundlos fördere.

Gerechte Bildungschancen für alle!

Im Bildungsbereich betonte Simon, dass v.a. die Durchlässigkeit des Schulsystems im Augenmerk der Politik liegen müsse. Da diese momentan unzureichend gewährleistet werde, müsse man das dreigliedrige Schulsystem abschaffen und den Weg zu einer inklusiven Gemeinschaftsschule beschreiten.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion durften die Schüler*Innen per Stimmzettel ihr Votum für die Parteien abgeben. Für die Erstwähler*Innen im Publikum war die Veranstaltung sozusagen die Generalprobe für die Bundestagswahl. Die Ergebnisse werden am Montag, dem 23. September bekanntgegeben.

Der kaktus möchte sich ganz herzlich bei allen Teilnehmer*innen und dem Organisationsteam des Schillergymnasiums für die schöne Veranstaltung und die faire Debatte bedanken. Wir kommen gerne wieder!

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